Auch wenn ich mittlerweile aus der Cosplay-Szene ausgeschieden bin und darüber auch mehr als glücklich bin, so verirren sich manchmal doch noch relevante Postings auf meine Facebook-Timeline. Und manchmal, ganz manchmal, fühle ich mich genötigt etwas dazu zu sagen.

Professionalität im Cosplaybereich neu definiert

Auslöser dieses Mal war ein öffentliches Posting von Svetlana Quindt, besser bekannt als Kamui Cosplay, die sich darüber echauffierte, dass die Begrifflichkeit „Professional Cosplayer“ völlig deplatziert sei und sie sich auch niemals selbst so nennen würde.

I really dislike the term "professional cosplayer" and don't want to call myself one. When are you turning into one?…

Posted by Svetlana Quindt on Freitag, 15. September 2017

Das hat bei mir dann doch für Stirnrunzeln gesorgt, da Kamui sicherlich eine der international bekannteren Cosplaygrößen ist. Damit einhergehend besitzt sie eine Professionalität, die man ihr definitiv nicht abreden kann – ganz gleich ob sie das Wort für sich passend oder nicht findet.

Was ist ein Cosplay-Profi?

Was mich an dem Posting ein bisschen stört ist, dass hier eine Grundsatzfrage gestellt wird, die im Rahmen der Position nicht zu beantworten ist. Würde ein Hollywood-Star sagen, dass er weiterhin ein ganz normaler Mensch aus dem Volke sei, würde man das ebenfalls mit Stirnrunzeln aufnehmen – oder?

Ein Profi, Kurzwort von veraltet Professionist, ist jemand, der im Gegensatz zum Amateur oder Dilettanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt.

Die deutsche Wikipedia

Mit dieser Definition haben wir jegliche Diskussion automatisch erschlagen. Wenn man Geld verdient, dann ist man als professional anzusehen. Damit einhergehend gibt es nämlich gewisse Faktoren, die man bei rein privaten Hobbyisten nicht finden würde. So wird von jemandem, der professionell arbeitet, erwartet, dass er nicht nur eine gewisse Befähigung im Sinne von Können oder Erfahrung mitbringt, sondern eben auch unsere Werte und Normen erfüllt.

Ab wann ist man Profi?

Ist jemand, der zu jeder Convention fährt und dort in seinen Cosplays auftritt ein Profi oder nur ein verrückter Cosplayer? Ist jemand, der mal für andere Personen Commissions gemacht hat automatisch ein professional cosplayer?

Kurze Fassung: Ja.

Lange Fassung: Ja, aber nicht in jeglicher Hinsicht. Zu unterscheiden ist die Professionalität im Sinne des Auftretens (und finanziellen Ausgleichs) sowie die Professionalität, die man sich durch Erfahrung aneignet. Wer sich einen eigenen Raum in seiner Wohnung einrichtet, in dem nichts anderes außer Cosplay gemacht wird, ist hier eine Professionalisierung zu erkennen. Wenn die Person dann noch eine eigene Webseite betreibt und sich dort zum Beispiel auch vermarktet, ist die Professionalität definitiv nicht mehr diskutabel.

Warum es mich nervt

Nach rund 2 Jahren intensivem Kontakt mit der Cosplayszene gehen mir mehrere Dinge massiv auf die Nüsse. Ein Faktor ist dieser ewige „Ist ja nur ein Hobby“ Slogan, der fast wie ein Gebet von allen proklamiert wird, die ein bisschen mehr „Erfolg“ haben.

Was wirklich stört
Was wirklich stört

Ich frage mich laut, warum dies überhaupt der Fall ist. Spätestens wenn man die ersten Conventions besuchen durfte, weil die Veranstalter einen eingeladen haben und sich an der Refinanzierung etwaiger Kosten beteiligen, sollte man es doch nicht länger als Hobby sehen, oder?

Oftmals scheint der Gedanke dahinter zu sein, dass man ja womöglich nicht für immer im Cosplaybereich aktiv sei und es deshalb nur als „Hobby“ einzustufen sei. Aber mal unter uns: Das ist bei nahezu allen Dingen im Leben so. Selbst wenn man einen Beruf 20 Jahre lang macht, heißt dies nicht, dass man sich nicht irgendwann zu etwas anderem entschließt. Wird der eigene Beruf dadurch auch zu einem Hobby?

Ach, nein, das ist ja etwas anderes, weil man sich damit seinen Lebensunterhalt finanziert und viele Cosplayer dies eben nicht können. Nun, auch viele Menschen die einem geringfügigen Arbeitsverhältnis nachgehen, können sich ihren Lebensunterhalt damit nicht finanzieren. Wird die Verkäuferin auf dem Wochenmarkt deshalb auch zu einer Hobbyistin? Ich glaube kaum.

Gleichzeitig setzt ein Cosplayer oftmals professionelle Ansprüche an die Bewertung seiner Projekte an. Und auch hier wieder ein Grund mehr, warum es eben doch als „professionell“ betrachtet werden kann – egal wie sehr man es als Hobby liebt und lebt.

Interessanterweise redet sich zumindest Kamui ein bisschen raus, in dem sie sagt, dass es „professional cosplay“ nicht gäbe, da sie davon nicht lebt und stattdessen Autorin ist. Und viele andere, die ebenfalls zu dieser Gattung gezählt werden, ebenfalls anderen Hauptbeschäftigungen nachgehen. Nunja. Ist ein Argument, aber es verschleiert letztendlich ja nur die eigene Professionalität hinter einem anderen Berufsfeld. Von „alles nur Hobby“ ist das weit entfernt.

Deal with it

Insbesondere den bekannteren Cosplayern der Szene kann ich nur immer wieder sagen: Lebt damit, dass ihr professionell seid & verhaltet euch ebenso.

Jemand, der sich auf Instagram und Co präsentiert, „privat“ Prints verkauft und Services anbietet, ist einfach aus dem Bereich des Hobbys heraus gewachsen. Sobald man sich öffentlich, medienwirksam und womöglich sogar mit Dienstleistungen gegen Geld präsentiert, ist das mit dem Hobby einfach vorbei. Und wenn man ein Unternehmen anmeldet, um Geld zu verdienen, sowieso.

Es geht dabei nicht immer darum, ob man von dem Entgelt, sofern welches anfällt, leben kann – Nein! – es geht darum, ob man sich selbst so professionell vermarktet und darstellt, dass dieser Maßstab angebracht ist.

Und das ist er oft!

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