Mit dem griffigen Titel Meine Brüder und Schwestern im Norden gibt es noch für wenige Stunden eine eindrucksvolle Dokumentation über das sonst eher verschlossene Nordkorea in der ARD-Mediathek zu bestaunen. (Hier in vollständiger Länge auf YouTube zu sehen)

Die Deutsch-Koreanerin Sung-Hyung Cho reiste in das für uns doch so ferne Nordkorea und drehte einen Dokumentarfilm, der beim Zuschauer auf Unverständnis, Fassungslosigkeit und einem ängstlichen Gefühl der Beklemmung stößt. Die Dokumentation selbst ist nahezu unkommentiert, sodass man sich allein durch die Bilder eine Meinung bilden muss. Auch wenn diese Bilder natürlich ebenfalls manipuliert sein könnten (!) so ist dies doch eine sehr angenehme Form der Unterhaltung.

Faszinierend zeigt der Film auf, welche Lebensweise in Nordkorea vorherrscht und wie auch in „modernen“ Zeiten ein Führer- und Militärkult das Leben der einzelnen Bürger bestimmt. Leider hat die nordkoreanische Regierung keine freien Filmarbeiten zugelassen, sodass alle Szenen irgendwie „gestellt“ wirken. Nicht die Filmszene an sich, sondern die Auswahl der Orte & Personen, mit denen gedreht wurde. So erscheint es doch teilweise skurril, dass eine Familie, mit denen gemeinsam gespeist wird, Küchengeräte besitzt, auf denen sogar noch die Energiespar-Aufkleber zu sehen sind …

Energiesparen wird auch in Nordkorea groß geschrieben!
Energiesparen wird auch in Nordkorea groß geschrieben!

Es soll ja Leute geben, die diese Aufkleber ab machen, nachdem sie das Gerät gekauft haben – andererseits könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass man hier versucht das Bild einer sehr umweltbewussten und technologisch durchaus auf hohem Stand ausgerüsteten Familie zu verkaufen. Vielleicht mochten die auch einfach nur die Sticker, keine Ahnung.

Allerdings verstärken solche „Kleinigkeiten“ den kafkaesken Eindruck, den man als Zuschauer aus dem Film mitnehmen kann. Insbesondere Arbeitsleistung hat in diesem Land augenscheinlich einen massiv hohen Stellenwert – so etwas würde man in Deutschland niemals finden.

Unser nächstes Tagessoll beträgt 200 Stück. Nur so können wir unseren nationalen Wirtschaftsplan erfüllen. Ich hoffe, dass Sie sich ab sofort noch mehr anstrengen. Heute haben Sie sich nicht genug angestrengt.

Ich wiederhole: Strengen Sie sich mehr an und geben Sie morgen Ihr Bestes!

[…]

Sie haben sich heute viel Mühe geben.
– Leiterin der Textilfabrik zu den Arbeiterinnen

Auch die „Tanzeinlage“ (womöglich zur Auflockerung der Arbeit?) der Textilmitarbeiterinnen wirkt eher befremdlich und urkomisch – fast wie gesetzlich vorgeschriebener Spaß auf der Arbeit:

Ein Land, in dem dem obersten General gehuldigt wird, Familienzusammenschlüsse (alias „Ehe“) auf Basis von Ruf und Umfeld denn Liebe durchgeführt werden und in denen bereits Kindergartenkinder mit Propagandasongs aufwachsen … das scheint Nordkorea zu sein.

Dennoch kann ich die Dokumentation weiterempfehlen, denn sie zeigt ein Land, welches uns als solches völlig fremd ist. Und irgendwie habe ich jetzt Lust dort mal hinzufahren …

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