Es gibt Themen, über die man im Internet nicht schreibt. Nicht etwa, weil sie nicht schon lange gesellschaftsfähig wären, sondern weil man Angst davor hat, dass die Rankings der eigenen Webseite ins Bodenlose stürzen, wenn man bestimmte Worte verwendet. Solche Wörter sind zum Beispiel „Sex“, „Porno“ oder „Masturbieren“. Ganz schlecht … es sei denn, man schreibt für die Kollegen von VICE.

Aber sind wir doch mal ehrlich: Sex und Selbstbefriedigung erleben seit den letzten Jahren ein neues Hoch. Während man früher noch eingetrichtert bekam, dass Masturbieren blind macht, so gibt es heute sogar Serien wie Big Mouth auf Netflix, die sich genau solchen Themen annehmen.

Gleichzeitig wurde der Zugang zu sexuellem Material durch das Internet massiv vereinfacht, sodass man nun auch – ohne sich großartig schämen zu müssen – daheim den Lurch schrubben kann. Oder mit dem vibrierenden Staubwedel durch die Lurchhöhle kehren. Je nachdem.

Wir hatten ja nichts!

Früher, die jüngeren, männlichen Leser (Sexist!) werden sich erinnern, lief auf Kabel.1 freitags ab 23:55 Uhr immer ein Soft-Porno – sehr gut erkennbar an dem grauen Stern in der TVmovie, der „nicht empfehlenswerte“ Sendungen markierte. Ja, womöglich aus Sicht der Story nicht empfehlenswert … für die Pubertät war es allerdings eine sehr empfehlenswerte Sendung! Man musste nur sicherstellen, dass der Fernseher so leise eingestellt war, dass die RUF MICH AN! Werbeblöcke nicht das ganze Haus weckten. Wir hatten ja auch nichts außer die komischen „Das bin ich“-Seiten aus der Bravo und die pixeligen Nacktaufnahmen im Teletext ab Seite 700.

Heiße, pixelige Frauen warten auf Dich!
Heiße, pixelige Frauen warten auf Dich!

Ja, ich bin gerade auch erschrocken, dass es die Seiten im Teletext noch gibt … und das man den Teletext tatsächlich online abrufen kann. Das ist ja quasi technologische Leichenfledderei!

Natürlich gab es auch „damals“ (wir schreiben das Jahr 2007) schon die Möglichkeit seine sexuelle Fantasie mit Videos anzufeuern: Wer sich noch an Seiten wie XNXX erinnert und damals auf dem Schulhof 30-sekündige Erotikclips in nahezu-fast-HD-Auflösung (320×240 Pixel, auch QVGA genannt) per Infrarot von einem Symbian-Handy zum anderen geschickt hat, wird wissen, wovon ich spreche.

Ich erinnere mich noch gut an eine DVD, die irgendwann einmal den Weg in den heimischen Briefkasten gefunden hatte. Eine komplett schwarze Hülle ohne Aufdruck & auf der DVD war ebenso kein Hinweis zu finden, um was es sich wohl handeln mag. Wer auch immer auf die Idee kam, dass man 9 Stunden Porno auf eine DVD pressen muss, der gehört gestraft …


Sex, so funktioniert es!

Willkommen in der Neuzeit

Nachdem wir nun unsere Spezialsocke zur Seite gelegt haben und uns wieder ganz auf diesen Eintrag konzentrieren können, werfen wir einmal einen Blick auf die aktuellen Gegebenheiten.

Heutzutage gibt es gefühlt Myriaden verschiedene Seiten und Portale im Internet, die uns direkt, kostenfrei und gut sortiert Einblick in die Sexualität des eigenen und fremden Geschlechts ermöglichen. Und auch jeder andere Fetisch lässt sich sehr gut befriedigen. Und wem die kostenfreie Auswahl nicht genügt, der erhält – gegen einen geringen Preis – auch Zugriff auf exklusivere Materialien. Und wir reden hier weiterhin nur von legalen Dingen!

Doch was, wenn man gehobenere voyeuristische Ansprüche hat und das bloße Zugucken nicht mehr ausreicht? Man irgendwie mitmachen will, aber leider keine Frau oder keinen Kerl ins Bett bekommt? Die Antwort lautet: Live-Cam-Chat!


Live-Cam-Chat – wenn es etwas mehr sein darf

Live-Cam-Chat – Wie bitte?

Im Gegensatz zum recht stupiden Schauen eines pornographischen Mediums, kann man bei den Live-Cam-Chats teilweise Einfluss auf die Situation und die Geschehnisse nehmen. Somit ist es nicht nur eine wesentlich spannendere Sache, sondern dient auch dem Ausleben der eigenen Fantasien im Rahmen der digitalen Möglichkeiten.

Ihh, man guckt Leuten beim Sex zu?
Wer sich diese Frage jetzt gerade wirklich gestellt hat, der sollte das Lesen an dieser Stelle wohl besser beenden. Wir leben in einer offenen Welt, in der viele Dinge längst kein Tabu mehr sind. Immer offener kann man über die eigene Sexualität sprechen und gemeinsam neue Dinge entdecken – was im heimischen Bett funktioniert, das klappt auch im Internet hervorragend!

Aber wir wollen auch gar nicht beleuchten, ob es in Ordnung ist sich Pornos oder nackte Frauen im Internet anzuschauen – das muss jeder für sich selbst entscheiden. Viel eher möchte ich die Sicht ein bisschen umdrehen: Was sagen eigentlich die Frauen auf solchen Plattformen?

Um dies herauszufinden, habe ich zwei junge Frauen interviewt, die sich auf der Plattform Chaturbate zeigen und sich dort gegen Bezahlung als Objekt der (meist) männlichen Lust (Sexist!) präsentieren. Natürlich gibt es dort auch Männer, Transgender und Pärchen. Also die volle Mischung. Und nicht wenige Frauen sind ebenfalls als Zuschauer aktiv, weshalb ein Pauschalisieren hier sicherlich nicht ohne Weiteres möglich ist.

Was ist Chaturbate?

Zuerst einmal sollten wir die Plattform näher betrachten, um die es hier geht. Chaturbate ist eine der größten multilingualen Plattformen für Live-Sex im Internet. Mit rund 4 Millionen Besucher pro Monat ein global player auf dem Markt. Nach Alexa Pagerank ist die Webseite eine der Top 150 Webseiten weltweit. Wenn sich der Betreiber, Multi Media LLC, daran keine goldene Nase verdient, dann hat er etwas falsch gemacht. Der Wert der Seite wird immerhin auf 64 Millionen US-Dollar geschätzt

Auf der Plattform ist jedes Model (in den Kategorien Männlich, Weiblich, Transgender, Pärchen) eigenständig und selbst für den Inhalt verantwortlich. Über allem steht lediglich die allgemeine Geschäftsbedingung von Chaturbate, welche einige Dinge explizit verbietet. Im Gegensatz zum klassischen Porno kann das Model somit direkt Einfluss auf die Show nehmen und selbst entscheiden, was es in Ordnung findet und was nicht.

So sieht es aus, wenn man auf der Seite online streamt
So sieht es aus, wenn man auf der Seite online streamt

Das Herzstück der Seite besteht dabei aus den Streams, die jedes Model ins Internet streamt. Hierbei entscheidet jeder für sich, welche Taktik er nutzt und wie er den Gästen das Geld aus der virtuellen Tasche locken kann. Meist ist es mit der klassischen Peep-Show vergleichbar. Während manche Model lediglich strippen und sich ausziehen, so gehen andere bis zum bitteren Ende und lassen im Chat abstimmen, wohin der anwesende männliche Akteur sein Ejakulat schleudern darf.

Der Chat ist nämlich, wie auch der Seitenname sagt, ebenfalls wichtig und sorgt für gute Unterhaltung. Die meisten Chatter und Chatterinnen sind tatsächlich äußerst freundlich und – auch wenn man es nicht für möglich hält – an konstruktiven Gesprächen interessiert. Die Diskussionskultur ist dabei um Welten besser als bei YouTube, vielleicht liegt das auch daran, dass auf Chaturbate das theoretische Mindestalter immerhin bei 18 liegt.

Geld verdienen

Die Models lassen sich ihre Arbeit durch die Zuschauer in Form von Tokens finanzieren. Jeder registrierte Zuschauer kann entsprechende Tokens gegen Zahlung erwerben und diese dann an das Model spenden.

An diese „Tips“ sind verschiedene Funktionen gekoppelt, die sogar mit eigenen Anwendungen und Apps erweitert werden können. Meist ist es ein Vibrator der Marke Lovense, welcher anhand der Höhe des Tip verschiedene Stufen der Vibration auslöst.

Lovense Vibrator mit Tip-Control
Lovense Vibrator mit Tip-Control

Ebenso ist es möglich, dass ab einer bestimmten Menge an Tokens, die eine Person gegeben hat, eine andere Schriftart oder Farbe zur Verfügung steht. Als stilles Übereinkommen zwischen Model und Zuschauer hat sich etabliert, dass man Wünsche nur in die Tip-Notizen schreibt. Somit bezahlt man quasi direkt für das, was man gerne sehen würde. Von „Zeig mir Deine Füße (20 Tokens)“ bis hin zu „Orgasmus (500 Tokens)“ ist alles möglich.

Dies sorgt auch gleichzeitig für eine enorme Fairness gegenüber dem Model, denn es kann eben selbst frei entscheiden, zu was es bereit ist und wie viel Geld es dafür haben möchte. Selbstbestimmung wird hier groß geschrieben & dies ist auch der Grund, warum die Seite sowohl unter Models wie auch Zuschauern so beliebt ist. Jeder kann für sich frei entscheiden, was er sehen möchte und was er bereit ist dafür auszugeben.

Auf der nächsten Seite kannst Du das Interview lesen …

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